Willkommensfest in der Kaffeerösterei Fehling

11058500_861235343914558_3854662026327413038_nGestern, am 12. März, fand das erste Willkommensfest für die Flüchtlinge auf dem Wohnschiff  TRANSIT in der Kaffeerösterei Fehling auf der Schloßinsel statt. Hausherr Andreas Behn und Werner Pfeifer begrüßten die etwa 50 Gäste (mit einem Arabisch-Dolmetscher), die zahlreich erschienen waren.
Helfer Werner Gottwald  war auch dabei und brachte seine Eindrücke zu Papier.
Auf Fotos von den Flüchtlingen wurde bewusst verzichtet, weil seit dem Bezug der TRANSIT -vor allem am Wochenende- Schaulustige im Schritttempo am Schiff vorbeifahren, Handyfotos schießen etc.
Verständlicherweise fühlen sich die Flüchtlinge dabei sehr unwohl und wollten während des Willkommensfestes unter sich bleiben.

 

Impressionen und Nach-Gedanken zum 1. Willkommensfest

von Werner Gottwald

Der Raum war voll. Alle Plätze waren besetzt, als ich verspätet ankam. Ich nahm mir einen verbliebenen Stehplatz. An allen Tischen liefen angeregte Unterhaltungen, zumeist auf Englisch. Es wurden Kontakte geknüpft, von beiden Seiten. Eine schöne, heitere, gelöste Atmosphäre schwebte durch den Raum. Der Fehling-Kaffee floss wie die Gespräche, die manche wahrscheinlich zum ersten Mal mit Flüchtlingen führten. Viele Fragen tauchten auf. Bei den Flüchtlingen und den Helfern.
Die Flüchtlinge sind eine Stufe weiter. Es wurde anerkannt, dass sie nicht in ein anderes europäisches Land, in dem sie vor der Bundesrepublik waren, zurück gehen müssen (Dublin III). Sie dürfen ihr Asylverfahren in Deutschland durchführen. Damit kommen sie aus der ZEA (Zentrale Erstaufnahme) in eine Folgeunterkunft: die TRANSIT. 11045347_861235450581214_5913531434976671604_n

Frühestens 3 Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland könnten sie auch eine Arbeit aufnehmen, wenn … ja, wenn die Sprachbarriere nicht wäre. Deshalb habe ich nicht wenige Syrer kennengelernt, denen ein normaler Deutschkurs nicht ausreicht. Sie brauchen Praxis, wollen sprechen, deutsche Worte richtig aussprechen können.  Fragen nach Wörtern in Deutsch. Regelmäßige Besucher des Cafe Refugio in der Bremer Straße 9 kennen das. Dort wird an sechs Tagen in der Woche Deutsch im Alltag geübt. Spontan bilden sich Gruppen aus vier Personen. Ein Helfer/eine Helferin beantwortet Fragen zu der deutschen Sprache oder erklärt einfache grammatikalische Regeln. Es wäre schön, wenn sich so ein Treffpunkt auch im Binnenhafen finden würde … aber, ich schweife ab.

Es war der erste Kontakt in großer Runde. Werner Pfeifer spielte nicht nur Lieder aus dem Binnenhafen, er bot auch beim Erlernen der deutschen Sprache Unterstützung der Binnenhafengruppe an. Die Flüchtlinge sollten sich in eine Liste eintragen, teilte der Übersetzer aus Syrien mit. Es wird neben den offiziellen Deutschkursen weitere von den ehrenamtlichen Helfern der Flüchtlingshilfe Binnenhafen geben.

Natürlich ergaben sich für mich auch Gespräche mit Syrern. „Ich will arbeiten.“ hörte ich öfter. Hm, zuerst einmal Deutsch lernen, dann über die Helfer im Binnenhafen  einen Praktikumsplatz finden, konnte ich nur antworten. Über einen Praktikumsplatz lernen mögliche Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich kennen und finden besser heraus, ob beide Welten zusammen passen; in Gedanken und in der Arbeitswelt. Daneben müssen die beruflichen und unversitären Abschlüsse der Flüchtlinge in Deutschland anerkannt werden. Eine weitere Herausforderung für beide Seiten, bei denen sie sich gegenseitig unterstützen müssen.
Auch die Helfer müssen lernen. Was ist Dublin III? Wo kommen die Menschen her? Wie haben sie gelebt? Was ist ihnen wichtig? Wie sieht es mit religiösen Fragen aus? Was ist der Islam? Welche christliche Strömung gibt es auch? – Fragen über Fragen, die sich beide Seiten im Laufe der nächsten Monate gegenseitig erklären werden.
Es war ein schönes Willkommensfest mit viel Kaffee und Kuchen. Der Rest wurde großzügig eingepackt und mitgenommen auf das Boot. Nichts sollte liegen bleiben.
Das 1. Willkommensfest für die neuen Bewohner des Schiffes ist zuende, weitere werden folgen, wenn wieder ein neuer Schub von Geflüchteten auf der „Transit“ angekommen ist. In der Hoffnung, der Name des Schiffes zeigt nicht den Weg, sondern müsste in „Neue Heimat“ umbenannt werden.

1456025_861235403914552_2127835760433577438_nObwohl … das Herz ist in der ersten. Und wenn dort das Leben wieder lebenswert ist, werden nicht wenige wieder zurückkehren (wollen). Und dann nehmen sie nicht nur ein kleines Heimweh an ihre neue Heimat mit; sie werden ihre Kontakte weiter pflegen, die sie in Deutschland geknüpft hatten. Und nicht nur private. Denn nun könnten sie Deutsch und wären für den Wiederaufbau der syrischen Wirtschaft gefragte Mittelsmänner/frauen. Sie kennen dann die deutsche Mentalität neben der Sprache. Die, die hier bleiben, sind ein Teil der anderen Seite für den Aufbau.
Der Alltag des Flüchtlings-Daseins in Deutschland hat ein anderes Gesicht, wie ich heute des öfteren hörte. Und das heisst: Warten. Warten auf die Anerkennung. Warten auf das Bleiberecht, warten auf Arbeit, warten auf eine Wohnung …
Und doch … es war ein schönes Fest mit einer guten Zukunft, die über eine holprige Strecke führt. Für beide Seiten. Doch beide Seiten können nur gewinnen, da sie miteinander leben wollen.

Fotos: Werner Gottwald

Flüchtlingshilfe Binnenhafen im Überblick

Seit Dienstag, den 10. März 2015, hat die Flüchtlingshilfe Binnenhafen ein Büro. In der seit Mitte 2013 nicht genutzten Filiale der HASPA, können nun Flüchtlinge bei alltäglichen Sorgen beraten, interessierte Helfer, Anwohner und Mitarbeiter ansässiger Unternehmen über Einsatzmöglichkeiten und Aktivitäten der Initiative informiert werden.Fluechtlingshilfe_BinnenhafenIMG_7397_edFluechtlingshilfe_Binnenhafen

Die großzügige Überlassung der ehemaligen Filiale durch die HASPA ermöglicht der Initiative auch die Erleichterung der Kommunikation untereinander sowie die Koordination und Abstimmung mit dem Wohnschiffbetreiber fördern & wohnen.

 

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